Fortschritte in der Umwelttechnologie bieten uns Chancen auf den Weltmärkten
Beitrag Prof. Dr. Hans Tietmeyer, bis 2003 Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
So wurde die Deutsche Bundesstiftung Umwelt schon bei ihrer Gründung mit einem Stiftungskapital von ca. 2,5 Milliarden DM ausgestattet. Mit einem Kapital von inzwischen über drei Milliarden Mark zählt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt heute zu den größten Stiftungen Europas.
Nach eingehender Beratung im Parlament trat dann am 18. Juli 1990 das Gesetz zur Errichtung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Kraft und wurde schon in den Folgemonaten umgesetzt. Nach der Verabschiedung der Satzung durch das Bundeskabinett konstituierte sich im Dezember 1990 das 14 Mitglieder umfassende Kuratorium als oberstes Leitungsorgan der Stiftung und wählte mich als Vorsitzenden. Meine derzeitigen Stellvertreter im Vorsitz sind Professor Dr. Wolfgang Engelhardt, Präsident des Deutschen Naturschutzringes, und Adolf Roth, Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages. Am 1. März 1991 nahm die Geschäftsstelle unter Leitung von Generalsekretär Fritz Brickwedde in Osnabrück ihre Arbeit auf. Im April 1991 konnte das Kuratorium bereits die ersten Förderentscheidungen treffen, damals zunächst vor allem zugunsten von Umweltprojekten in den neuen Bundesländern.
Am Beginn der inhaltlichen Überlegungen zur Gründung der Stiftung stand vor allem die Absicht, die aus der Privatisierung anfallenden Mittel dauerhaft zur Förderung zukunftsorientierter Wirtschaftsaktivitäten in Deutschland einzusetzen. Zukunftsorientiert sollte hier insbesondere heißen: umwelt- und gesundheitsfreundlich, und zwar sowohl was die Produktionsverfahren als auch deren Ergebnisse, die Produkte selbst, angeht.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt will dabei im Sinne eines produktionsintegrierten, vorbeugenden Umweltschutzes insbesondere neue Aktivitäten anstiften und ihnen über die Anfangshürden helfen. Durch unsere Fördermittel wollen wir die Langfristigkeit der Amortisation innovativer Vorhaben zum Entscheidungszeitpunkt verkürzen und das finanzielle Risiko ökologischer Innovationen in geeigneten Einzelfällen auf ein tragbares Maß reduzieren.
Entscheidendes Förderkriterium ist der Beitrag eines Vorhabens zur nachhaltigen Umweltentlastung. Daneben sollen die Projekte über den gegenwärtigen Stand des Wissens und der Technik hinausgehen, praktisch umsetzbar sein und möglichst gute Verbreitungschancen haben. Unsere Hauptzielgruppe sind dabei Existenzgründer sowie kleine und mittlere Unternehmen. Großunternehmen sollen im Regelfall nicht gefördert werden, da diese Unternehmen ihre Produktion Umwelterfordernissen aus eigener Finanzkraft anpassen können und - wenn sie die Zukunft nicht verpassen wollen - auch müssen.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt lenkt ihr Augenmerk in erster Linie auf den produktionsintegrierten vorbeugenden Umweltschutz, weil die integrierte Umwelttechnik langfristig dem nachsorgenden Umweltschutz auch unter wirtschaftlichen Aspekten überlegen sein wird, da sie zur Senkung des Ressourceneinsatzes und der Produktionskosten führt.
Vor allem aber ist beim produktionsintegrierten Umweltschutz der Innovationsgrad deutlich höher. Durch die ganzheitliche Betrachtung erfordert er nämlich eine Verzahnung unterschiedlicher Technologiebereiche - vom Maschinenbau über die Prozesstechnik bis hin zum Einsatz neuer Werkstoffe. Er ist damit auch technologisch anspruchsvoller.
Fortschritte in diesem Bereich werden der deutschen Wirtschaft auf Dauer auch neue Chancen auf den Weltmärkten bieten. Denn der Umweltschutz wird - zumindest in mittel- und längerfristiger Perspektive - ein größeres Gewicht auf den Zukunftsmärkten haben. Sie werden immer mehr auch von neuen Prioritäten zugunsten der Umwelt bestimmt. Und der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist angesichts der global zunehmenden Umweltprobleme eine Zukunftsaufgabe für die deutsche Wirtschaft. Ich bin davon überzeugt: Längerfristig werden nur solche Unternehmen Erfolge und Überlebenschancen haben, die den Umweltschutz nicht als lästiges Additivum begreifen, sondern als einen integrierten und selbstverständlichen Bestandteil des Managements. Dann wird auch der Standort Deutschland davon intensiv profitieren. Hier könnte das "Made in Germany" durchaus eine neue Bedeutung finden.
