Otto Graf Lambsdorff
Der Wirtschaftsminister und sein Abteilungsleiter
Von Otto Graf Lambsdorff, Bundesminister für Wirtschaft a.D.
Wie haben Sie Hans Tietmeyer als Abteilungsleiter im Wirtschaftsministerium erlebt?
Als ich ins Wirtschaftsministerium kam, fand ich eine ideale Konstellation vor: den Staatssekretär Schlecht, den Abteilungsleiter Tietmeyer und den Referatsleiter Grimm. Besser konnten Sie ordnungspolitisch gar nicht ausgerüstet sein! Tietmeyer ist ein Mann, der die Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft vollständig verinnerlicht hat. Im Ministerium achtete er darauf, dass diese Grundlagen auch beherzigt wurden. Nicht selten landeten deshalb kontroverse Stellungnahmen von ihm zu Vorschlägen aus den einzelnen Abteilungen auf dem Tisch des Staatssekretärs.
Tietmeyer ist dann als Staatssekretär ins Stoltenberg-Ministerium gegangen. Haben Sie das bedauert? Und: Welches Gewicht hatte er als Ratgeber für Sie?
Tietmeyer war zweifellos einer meiner wichtigsten Berater. Ich habe es sehr bedauert, dass Stoltenberg ihn mir abgeworben hat. Aber er hatte dadurch die Chance, Staatsekretär zu werden. In dieser Schlüsselstelle der neuen Regierung war er wichtig. Wir haben über das Kabinett und in späteren Koalitionsgesprächen immer wieder Kontakt gehabt.
