Tietmeyer 80: „Ordnungspolitischer Denker und Handelnder“
Zahlreiche Glückwünsche und Würdigungen sowie ein Festempfang zum 80. Geburtstag mit einer Rede des früheren Bundespräsidenten Horst Köhler.
Vor dem Hintergrund der Eurokrise brach der frühere Bundespräsident Horst Köhler bei einem Empfang in Frankfurt eine Lanze für die Währungsstabilität. „Die aktuelle Finanzkrise und der Versuch, sie vor allem mit immer mehr Gelddrucken zu lösen, hat wohl damit zu tun, dass leider oft auch hochstehende Menschen die richtige Antwort nicht wissen oder zumindest nicht danach handeln“, sagte Köhler bei dieser Veranstaltung zum 80. Geburtstag des früheren Bundesbankpräsidenten und INSM-Kuratoriumsvorsitzenden Professor Hans Tietmeyer.
Der am 18. August 1931 geborene Tietmeyer, so Köhler weiter, kenne die richtige Antwort und habe stets danach gehandelt. Der frühere Bundespräsident: „Er (Tietmeyer) weiß: Nur Knappheit verleiht Wert, nur Wert verleiht Stabilität. Und er hat viele Jahre erfolgreich dafür gearbeitet, unserem Geld Wert und Stabilität zu sichern.“ Köhler sprach bei einem Empfang, den die Privatbank Hauck & Aufhäuser zu Ehren Tietmeyers im Casino der Frankfurter Universität ausgerichtet hatte.
In seiner Festrede ging Finanzexperte Köhler, der unter anderem Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds war, näher auf die Eurokrise ein:
„Die vergangenen Jahre haben die Überzeugungen, Forderungen und Festlegungen, für die Persönlichkeiten wie Hans Tietmeyer stehen, nicht widerlegt, sondern bestätigt. Gerade weil die vertragliche Verpflichtung zur Haushaltsdisziplin und zum Schuldenabbau gebrochen und der Stabilitäts- und Wachstumspakt ausgehebelt wurde, gerade weil so viele dringend nötige Strukturreformen in den nationalen Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitiken unterblieben sind, gerade darum sind so viele Mitglieder der Wirtschafts- und Währungsunion in extreme Schwierigkeiten geraten.“
Als Antwort auf die Krise müsse nun die politische Union Europas vorangetrieben werden: „Wir haben damals in den Maastricht-Verhandlungen oft gesagt: Es soll keine hinkende Union geben, keine, deren WWU-Bein viel länger ist als das Bein der Politischen Union. Nun, Europa hinkt schon viel zu lange und droht deshalb jetzt, zu Fall zu kommen. Das Versprechen der Politischen Union ist uneingelöst, obwohl sie für die Euro-Länder längst zur Notwendigkeit geworden ist. Sie jetzt voranzubringen ist ... die einzig richtige Antwort auf die Krise, wenn gerade wir Deutsche aus der Geschichte gelernt haben.“
Besonders erwähnte Köhler auch den langjährigen Einsatz des INSM-Kuratoriumsvorsitzenden für die Soziale Marktwirtschaft. „Die gute Ordnung der wirtschaftlichen Freiheit" sei Hans Tietmeyers Lebensthema. „Wir brauchen ordnungspolitische Denker und Handelnde vom Schlage Hans Tietmeyers, die wissen: Die Arbeit hört niemals auf“ – so schloss Horst Köhler seinen Vortrag. Lesen Sie hier die komplette Festrede von Horst Köhler.
Medien zum 80. Geburtstag Hans Tietmeyers
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung erinnerte in Ihrem Beitrag zum 80. Geburtstag an Äußerungen Professor Hans Tietmeyers zu seiner Verabschiedung als Bundesbankpräsident im Jahr 1999. Artikel-Zitat: „Er selbst sagte damals, der Euro sei keine Erlösungsformel für wirtschaftliche und soziale Probleme. "Die neue Risikogemeinschaft fordert vielmehr Solidarität durch eine dauerhaft stabilitätsorientierte nationale Finanz- und Sozialpolitik aller Euro-Länder." Auch damit sollte er Recht behalten, wie die aktuelle Schuldenkrise zeigt. Es wäre schön gewesen, hätten sich einige Staatenlenker stärker an den Rat gehalten.“
Die Westfälischen Nachrichten würdigten in Ihrer Geburtstagsadresse besonders die Heimatverbundenheit Professor Hans Tietmeyers: „Den Kontakt zu (seiner Heimatstadt) Metelen pflegte Tietmeyer stets, auch auf dem Höhepunkt seiner politischen und wirtschaftlichen Karriere, als er als Präsident die Geschicke der Deutschen Bundesbank leitete. „Ich bin ja nicht nur ein gebürtiger, sondern auch ein überzeugter Westfale“, hatte der Metelener Ehrenbürger noch im vergangenen Jahr anlässlich seiner Aufnahme in die Westfälische Ehrengalerie hervorgehoben.“
Die Münstersche Zeitung zitierte den Vorsitzenden des Metelener Heimatvereins, Heinz Tewes, mit den Worten: „Er hat meinen großen Respekt, weil er durch Eigeninitiative enorm viel aus sich gemacht hat, das fasziniert mich."
Professor Hans Tietmeyer kam, wie er selbst sagt, aus kleinen Verhältnissen. Vater Bernhard, ein Gemeinderentmann, und seine Mutter Helene hatten 11 Kinder - acht Jungen und drei Mädchen.
Die Politische Meinung, Zeitschrift der Konrad-Adenauer-Stiftung, würdigte Professor Hans Tietmeyer als Westfalen „im Dienst von Politik, Wirtschaft, Finanz und Kirche“ und ruft eine Passage aus dessen autobiographischen Buch in Erinnerung; „Tietmeyer warnte 2005 davor, dass „unzureichende Wirtschaftsdynamik und mangelnde Fiskaldisziplin“ die Stabilität der gemeinsamen Währung und letztlich Wohlstand und Beschäftigung gefährden könnten (vgl. Herausforderung Euro,S. V). Die Jahre danach – bis hin zu den gegenwärtigen Krisensituationen in einigen europäischen Ländern – haben gezeigt, wie begründet seine Warnung ist“, schreibt Autor Andreas Sohn.
Das Cusanuswerk zum 80. Geburtstag Hans Tietmeyers
Hans Tietmeyer verdiente sich sein Studium unter anderem unter Tage im
Steinkohlebergbau und erhielt später ein Stipendium im Rahmen der
Hochbegabtenförderung des Bischöflichen Cusanuswerks. Später war
Tietmeyer dessen Vorsitzender. In einem Geburtstagsgruß des Cusanuswerks
heißt es: „Hans Tietmeyer, 1931 in Metelen (Westfalen) geboren, hat
über Jahrzehnte hinweg die Wirtschafts- und Währungspolitik der
Bundesrepublik Deutschland maßgeblich mitbestimmt. ... Hans Tietmeyer
ist buchstäblich ein „Mann der ersten Stunde“ im Cusanuswerk ... Wir
danken Herrn Professor Tietmeyer dafür, dass er bei allen beruflichen
Herausforderungen fast fünfzig Jahre lang ehrenamtlich im Cusanuswerk
engagiert war, und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute und Gottes
Segen.“
Bilder aus dem Leben von Professor Hans Tietmeyer
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